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Alte und neue Kapitel

Wenige Stunden nur noch, dann ist auch 2016 ein weiteres Kapitel in den Geschichtsbüchern.Bevor wir jedoch das Jahr endgültig zu den Akten legen, eine kurze Rückschau und ein Blick auf 2017.Gut 300 Beiträge sind inzwischen im Blog erschienen. In den letzten zwölf Monaten habe ich Chroniken über kleine und große Partien in Deutschland, Portugal, Luxemburg und Holland geschrieben.Ich habe Bücher vorgestellt und meinem Herzen im einen oder anderen Kommentar Luft gemacht. Ein im September veröffentlichtes Ranking von bwin zählt meinen Blog zu den 30 besten Fußballblogs in Deutschland und Österreich.Abseits des Internets ist im Mai das Buch "111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben" erschienen. Während der EM habe ich für das DFB-Fanzine Helmut geschrieben, dazu Beiträge in den Magazinen ballesterer und Zeitspiel veröffentlicht.Das alles macht viel Freude, kostet aber auch Zeit. Der Blog geht mittlerweile ins fünfte Jahr, an manchen Stellen hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Die Spielstätten der Regionalliga Südwest sind ausführlich beschrieben, auch mit den Reizen der portugiesischen Fußballkultur sind regelmäßige Leser inzwischen vertraut.Im neuen Jahr nehme ich zwei Buchprojekte in Angriff, die einige Zuwendung erfordern. Nach Stand der Dinge werde ich daneben auch öfter für das Zeitspiel tätig sein, ein wunderbares Magazin, das mir sehr am Herzen liegt. Für den Blog Rot & Weiß in seiner derzeitigen Form bleiben da nur wenige Musestunden.Das bedeutet nicht, dass der Blog seine Pforten schließt, ich melde mich sicher dann und wann zu Wort. Regelmäßige Chroniken zu Benfica und den Kickers schreibe ich aber bis auf weiteres nicht mehr.Euch allen wünsche ich einen guten Start ins neue Jahr. Bleibt gesund und heiter, denn auch 2017 muss das Runde wieder ins Eckige.

Ein Wochenende in Amsterdam

Am Schluss des Fußballjahres 2016 stand am vergangenen Wochenende ein Ausflug in die niederländische Eredivisie.Bevor wir am Sonntag Rekordmeister Ajax besuchten, machten wir am Freitagabend einen Abstecher in die Jupiler League, der zweiten Division des Landes.25 Kilometer nordöstlich vor den Toren von Amsterdam liegt Volendam, ein gediegener Badeort am Ijsselmeer mit 22.000 Einwohnern, der sich eine Woche vor Weihnachten festlich herausgeputzt hat. Das keine 300 Meter Luftlinie vom Strand entfernte Kras Stadion liegt inmitten eines Wohngebiets, schmucke Einfamilienhäuser flankieren zu beiden Seiten die Tribünen. Dank der holländischen Abneigung gegen Gardinen gleicht der Weg zum Stadion einem Bummel durch ein Magazin der Kategorie Schöner Wohnen.Nicht nur durch seine Lage erinnert das Kras Stadion des FC Volendam an Bilder, die wir alle aus dem England früherer Tage im Kopf haben. Die Spielstätte ist verwinkelt, es wurde wohl öfter an- und umgebaut, die Fassaden sind aus Backstein, die Tribünendächer aus Wellblech. Kurzum: eine Wohlfühloase für Romantiker.An der Kasse werden wir freundlich beraten, wir entscheiden uns für Tickets auf der Gegengerade, der Jaap-Jonk-Tribüne. Eine kluge Entscheidung, wie wir wenige Minuten später feststellen. Denn innerhalb der Tribüne befindet sich eine Kneipe, die ihresgleichen sucht. Ganz in den Vereinsfarben orange und schwarz gehalten, herrscht hier bereits anderthalb Stunden vor dem Anpfiff der Ausnahmezustand. Ein Alleinunterhalter mit Föhnfrisur und weißem Sakko schmettert holländische Schlager. Er triff auf ein begeistertes Publikum, was nicht zuletzt am Amstel Bier für 2 Euro liegen dürfte.Der Wirt ist sichtlich über die neuen Gesichter in seiner Kneipe erfreut und gibt uns einen kurzen Einführungskurs in die Geschichte des FC Volendam und seiner schunkelfreudigen Fans. Fast tut es uns leid, ihn eine Viertelstunde vor dem Anpfiff zu verlassen, zumal es im Stadion empfindlich kalt ist. Die Nähe zum Meer macht sich bemerkbar, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist die Luft inzwischen so feucht, dass...

Unvergleichlich

"Incomparável" (Unvergleichlich) stand auf einem der riesigen Banner, die vor dem Anpfiff des Lissabonner Stadtderbys zwischen Benfica und Sporting auf der Südtribüne gezeigt wurden. Und damit lagen die Fans im restlos ausverkauften Estádio da Luz zweifellos richtig.Das Derby ist nun mal das Derby, kein anderes Spiel kann da mithalten. Kein Partie in der Champions League, nicht einmal die emotionsgeladenen Begegnungen mit dem FC Porto. Aus gutem Grund war meine bessere Hälfte eigens für dieses Spiel übers Wochenende in die portugiesische Hauptstadt gekommen.Schon während unseres ausgiebigen Mittagessens kannten die Fernsehsender kein anderes Thema mehr, als eben das Derby. Zwei Stunden vor dem Anpfiff war die Metro überfüllt, auf den Rängen knisterte es vor Spannung. Nach zwei Niederlagen in Folge war die Stimmung bei Benfica angespannt. Gerade einmal zwei Punkte trennten die beiden Erzrivalen voneinander, eine Pleite gegen die von Benficas ehemaligem Trainer Jorge Jesus betreuten Nachbarn würde den Verlust der Tabellenführung bedeuten.Entsprechend angespannt dann auch die Anfangsminuten, die ganz von der Taktik geprägt waren. Nach etwas mehr als 20 Minuten eine erste Chance für Sporting, die Bas Dost vergab. Den Konter im Gegenzug nutze Benfica zur Führung. Gonçalo Guedes überbrückte das Mittelfeld im Alleingang, spielte den Ball auf den linken Flügel zu Rafa Silva, der millimetergenau in den Strafraum auf Toto Salvio flankte. Nach ihrem ersten Torschuss lagen die Adler vorne, das Estádio da Luz bebte.Der zweite Durchgang hatte kaum begonnen, schon lag der Ball wieder im Gästetor. Nelson Semedo hatte sich in der rechten Strafraumhälfte durchgesetzt, in der Mitte stand Raúl bereit, der aus kurzer Distanz einköpfte. Doch der komfortable Vorsprung verlieh den Jungs von Coach Rui Vitória nicht die erhoffte Sicherheit.Benfica stellte seine Offensivbemühungen praktisch ein und überließ Sporting die Initiative. Der Anschlusstreffer durch Bas Dost nach 69 Minuten fiel fast zwangsläufig. Die Adler konnten den Schalter nicht mehr...

Glanzlos ins Achtelfinale

Letzter Spieltag in der Gruppenphase der Königsklasse. Vor den abschließenden Begegnungen lagen der SSC Neapel und Benfica mit jeweils acht Punkten auf den Plätzen eins und zwei, Besiktas folgte mit nur einem Zähler Abstand. Lediglich Dynamo Kiew stand mit zwei Punkten bereits als Gruppenletzter fest.Die Ausgangslage für Benfica war damit klar. Wenn irgend möglich, sollte ein Sieg gegen den SSC Neapel her. Doch selbst eine Niederlage könnte zum Weiterkommen ausreichen, falls der türkische Meister in Kiew nicht gewinnen sollte.Dass all diese Rechenspiele nötig wurden, lag in erster Linie an Besiktas, das in beiden Partien gegen Benfica jeweils in den Schlussminuten den Ausgleich schaffte. Auch dass die Türken gegen Neapel gleich vier Punkte holen würden, hatte zumindest ich nach der Auslosung nicht auf dem Zettel.Bevor es im Estádio da Luz ums Überwintern in der Champions League ging, hatte ich am Mittag auf meine alten Tage einen ersten Fernsehauftritt. Im TV-Kanal der größten portugiesischen Sportzeitung A Bola durfte ich während einer halbstündigen Gesprächsrunde erzählen, wie es dazu kam, dass ich als Deutscher Mitglied und Dauerkarteninhaber bei Benfica bin. Die Fankulturen in Portugal und Deutschland sowie die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im globalen Fußballgeschäft waren weitere Themen. Das Ganze hat viel Spaß gemacht und schmeichelt natürlich auch ein wenig dem Ego.Weniger Spaß machte am Abend das Geschehen auf dem Rasen, zumindest wenn man es mit Benfica hielt. Mehr als 55.000 Fans sahen einen selbstbewussten Auftritt der Gäste aus Neapel, die mit ihrem bärenstarken Mittelfeld die Partie über weite Strecken bestimmten. Viel zu selten gelang der Mannschaft von Coach Rui Vitória ein konstruktiver Spielaufbau, am Ende ging das knappe 1:2 für den SSC Neapel völlig in Ordnung.So lag es weniger an der Vorstellung des eigenen Teams, dass die Stimmung auf den Rängen ziemlich entspannt war. Bereits zur Halbzeit führte Dynamo Kiew mit 4:0 gegen Besiktas,...

Sonntags im Pina Manique

Selbst in Portugal scheint nicht immer die Sonne. Seit Freitag schüttet es in Lissabon wie aus Kübeln. In den Straßen schaukelt die Weihnachtsbeleuchtung im Atlantikwind und kämpft einen stillen Kampf gegen den grauen Regenschleier, der sich über die Stadt gelegt hat.Entsprechend leer ist am Sonntag die Buslinie 711, die mich zum Estádio Pina Manique bringt. Das halbe Land sitzt zu dieser Stunde mit einer guten Flasche Rotwein am Mittagstisch und freut sich auf die anschließende Siesta. Doch wer sich trotzdem auf die Straße wagt, wird belohnt. Zaghaft kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Als ich am Stadion ankomme ist der Himmel beinahe wieder so blau, wie es die Tourismuswerbung verspricht.Fast ein wenig erschrocken blickt mich der betagte Herr im Kassenhäuschen an, als ich nach einer Eintrittskarte frage. Welcher Sektor es denn sein darf, möchte er wissen. Eine Frage, auf die ich keine Antwort habe, denn ich bin zum ersten Mal im Pina Manique. Ob ich denn zu Casa Pia oder zu Oriental halten würde, lautet seine nächste Frage, die ich mir selbst noch garnicht gestellt habe. Dass ich mich für die Heimmannschaft entscheide, wird mit einem wohlwollenden Kopfnicken quittiert. Statt eines regulären Tickets für acht Euro bekomme ich ein Mitgliederbillet für drei Euro und darf auf der Haupttribüne Platz nehmen, die eigentlich den Sócios von Casa Pia vorbehalten ist.Doch zuvor plagt mich der Hunger, schließlich habe ich mich ohne Mittagessen auf den Weg gemacht. Da trifft es sich gut, dass in einer Blechhütte neben der Tribüne eine kleine Bar untergebracht ist. Von den beiden ebenso beleibten wie gut gelaunten Kollegen hinter der Theke werde ich bestens versorgt. Für zwei Bier, ein Schnitzelbrötchen und einen Espresso zahle ich 4,80 Euro. Im Preis inbegriffen ist in meinem Kaffee "gegen die Kälte" ein ordentlicher Schuss Schnaps, den mir der fürsorgliche Wirt...

Bilder für die Ewigkeit

Mitten im Herzen von Lissabon liegt in der Rua Jardim do Regedor die ehemalige Geschäftsstelle von Benfica. Das im 19. Jahrhundert ursprünglich als Wohnhaus errichtete Gebäude beherbergte von 1918 bis 1928 den Bristol Club, seinerzeit einer der angesagtesten Nachtklubs der portugiesischen Kapitale.Nachdem Benfica das Eckhaus 1933 übernommen hatte, diente es bis Anfang der 2000er-Jahre als Geschäftsstelle und Treffpunkt der Mitglieder.Doch mit dem Umzug ins neue Estádio da Luz teilte die verlassene Geschäftsstelle das Schicksal vieler historischer Gebäude im Stadtzentrum. Es stand leer und bröckelte langsam vor sich hin. 2016 dann die Wende zum Guten: Unter Federführung der vereinseigenen Stiftung Fundação Benfica wurde das Gebäude restauriert und wird jetzt unter anderem für temporäre Ausstellungen genutzt, die selbst im riesigen Klubmuseum am Stadion keinen Platz mehr finden.Den Anfang machte in diesem Sommer eine Ausstellung mit Arbeiten von Roland Oliveira. Der 2007 verstorbene Fotoreporter begleitete Benfica über fünf Jahrzehnte hinweg für die Vereinszeitung O Benfica und dokumentierte in dieser Zeit das Klubleben wie kein zweiter.In der Ausstellung wurden einzigartige Zeitdokumente aus den Jahren 1955 bis 1962 gezeigt. Zu sehen waren natürlich die so erfolgreichen Fußballhelden jener Tage sowie die Bauarbeiten zum ursprünglichen Estádio da Luz, das seinerzeit noch vor den Toren der Stadt lag. Daneben aber auch Aufnahmen unzähliger anderer Sportarten bis hin zu Ausflügen, die Benfica für Motorradfahrer veranstaltete, oder die ebenso kuriose wie kurzlebige Disziplin Fahrradhockey.Bis in seine letzten Lebensjahre blieb Roland Oliveira dem Verein verbunden. Erst im Frühjahr 2003 beendete ein Unglücksfall seine Arbeit als Fotograf. Als Oliveira wieder einmal vom gegenüber des Stadions gelegenen Einkaufszentrum Colombo Aufnahmen von den Bauarbeiten am neuen Stadion machte, stürzte der inzwischen 83-Jährige von einem Mäuerchen und konnte danach nie mehr eine Kamera in die Hand nehmen.