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Reflexionen eines Suchenden
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Reisereportage: Die Lagune

Nur noch eine letzte Fahrt mit dem Nachtbus trennte mich noch von den Stränden Goas. Dort würde meine Reise vorläufig enden. Ich hatte mir in der Einsamkeit und Beklemmung in den Bergen Kaschmirs geschworen, an Weihnachten im Kreis meiner Familie zu sein und meine Freunde zu besuchen, bevor ich meine Reise fortsetzte. Auf der Fahrt fielen mir schwere Steine vom Herzen; eine wahre Odyssee lag hinter mir. Meine Reise hatte nicht gerade unter besonders günstigen Sternen gestanden: Waldbrände und Bombenanschlag in Athen, schwere Überschwemmungen in Istanbul, Paranoia in den Bergen von Kaschmir, windige Mafiosi in Rajasthan, Zyklon über Bombay. Die hektische Stadt hatte ich am Rande des Nervenzusammenbruchs erlebt. Es schien mir fast, als wolle mich Bombay mit Haut und Haaren verschlucken. Nun sehnte ich das Erreichen der letzten Station meiner Indienreise herbei. Ich war davongekommen und trug zugleich viele Entdeckungen in meinem Herzen. Es fühlte sich an, als hätte ich eine schwere Prüfung bestanden.Unterwegs kam ich in den zweifelhaften Genuss, mir ein 80 Zentimeter breites Doppelbett mit einem Unbekannten zu teilen. Der angehende indische Geschäftsmann, der zu meinem unfreiwilligen Gefährten geworden war, blickte mich entsetzt an, als er sein Dilemma erkannte. Er befand sich auf dem Weg zu seinem neuen Arbeitsplatz in Goa und konnte sich offensichtlich Besseres vorstellen, als sein Bett mit einem bärtigen Hippie zu teilen. Stammelnd fragte er mich, ob ich schwul sei. Doch ich wollte ihm keine falschen Hoffnungen machen. Nach langer Fahrt erreichte ich einen belebten Strand im Süden Goas. Der Bundesstaat zieht sich über 100 Kilometer in einem schmalen Streifen am Arabischen Meer entlang. Ich blickte über eine sichelförmige Bucht, die an beiden Enden von Felsen eingerahmt war. Palmen, Holzhütten, Bars, Restaurants und kleine Läden säumten die Strandpromenade. Ich setzte mich in den Sand, lauschte dem beruhigenden Rauschen des Meeres, sog den Salzgeruch...

Reisereportage: Gefangener des Hausboots - Lost in Paradise

Meine erste Begegnung mit Indien hätte kaum schlechter verlaufen können. Auf meiner ersten großen Reise geriet ich bald in eine Grenzsituation. Nichtsahnend war ich in eine üble Falle getappt… Ich flog über die pakistanische Thar-Wüste, als die Sonne über dem Horizont aufging und die Welt in ihr magisches Licht tauchte. Das Leuchten fand Widerhall in meinem Herzen, ein Moment von Ewigkeit. Ich hatte die ganze Nacht durchwacht und meine Ankunft herbeigesehnt, voller Erwartung, Bangen und Spannung. Die Welt, die ich zu erobern trachtete, lag direkt unter mir. Ich hatte es tatsächlich gewagt, meinen Dickschädel durchgesetzt, meine Ängste bezwungen. Gleich würde ich indischen Boden betreten. Kurz darauf sah ich das Geschwür Delhis unter mir wuchern. Ich schluckte einen Kloß hinunter. Da wollte ich runter? Manchmal ist Ekstase von Beklemmung nur einen Wimpernschlag entfernt.Das GreenhornIch hatte mich das erste Mal alleine mit dem Rucksack in die Welt gewagt, ich war ein Greenhorn, von weitem sichtbar. Es war eines der Bilder aus der Literatur, das mich gefangen genommen hatte. Doch Kapuściński hatte das Land vor einer gefühlten Ewigkeit besucht. Von der Chuzpe eines Timmerberg trennten mich Lichtjahre. Trojanow konnte den Code Indiens entschlüsseln. Ich war ahnungslos.Ich hatte mir eingebildet, gewappnet zu sein – schließlich war ich schon seit zweieinhalb Monaten unterwegs. Meine Reise hatte mich von Stuttgart über München, Venedig, Korfu, Patras, Athen, Kreta, die Kykladen und wieder Athen nach Istanbul geführt. Die Idee, auf dem Landweg weiterzureisen, hatte ich wegen der sich anbahnenden zweiten iranischen Revolution aufgegeben. Am Ende war sie ausgeblieben. Der arabische Frühling war Zukunftsmusik.Istanbul ist zweifellos eine mondäne Metropole – auf Delhi konnte sie mich nicht mal im Ansatz vorbereiten. Diese Erkenntnis überfiel mich noch im Flughafengebäude wie ein Raubtier. Hunderte Blicke lasteten schwer auf meinen Schultern, sie schienen mich zu durchbohren. Ich fühlte mich nackt. Schlimme...

Reisereportagen: Dharamsala - Siddartha, der Dalai Lama und Pinku

Anreise: Der Busbahnhof von Jammu war ein abstoßender Ort. Überall lag Müll, die Fassaden und die Straße waren völlig heruntergekommen und es roch erbärmlich. Ich hatte gerade die Fahrt im Jeep eines Wahnsinnigen aus Kaschmir heraus überstanden. Am Bahnhof traf ich auf zwei Israelis, die ebenfalls nach Dharamsala fahren wollten und in wilden Verhandlungen versuchten, den Preis für das Busticket zu drücken. Auch wenn ich solche Verhandlungen nicht leiden kann, war ich froh über ihre Gesellschaft. Die krassen Erfahrungen mit den Betrügern in Kaschmir saßen mir noch heftig in den Knochen und die Verunsicherung hatte mich nicht verlassen. Ich werde nie vergessen, welche Luft uns empfing, als wir durch die Industriegebiete Jammus fuhren. Es war kein Zufall, dass viele Busreisende Atemmasken trugen. Die Luft war schwarz und rußig, einatmen musste um jeden Preis vermieden werden. Die unzähligen Fabriken hatten offensichtlich keine Filter und verströmten dicken Qualm, der die Sonne verdunkelte. In meine Nase stiegen die abstoßenden Gerüche von brennenden Plastikbergen und die Abgase der Busse, Autos und Trucks. In der Kombination erzeugte das ein widerliches und lebensfeindliches Gemisch. Nach der klaren Luft in den Bergen kam ich mir vor, als wäre ich in die Hölle hinabgefahren.Die versprochene Ankunftszeit um zwei Uhr morgens war nichts als Wunschdenken. Nach einer Höllentour über eine Piste voller Schlaglöcher, die mir mehrfach Kontakt mit der Decke des Busses einbrachten, wurden wir um drei Uhr morgens vor den Pforten eines Regionalflughafens abgesetzt. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns einen überteuerten Wagen nach Dharamsala zu teilen. Um diese Zeit gibt es halt keine große Konkurrenz. Die Israelis versuchten zwar wieder, zu verhandeln, aber ich verspürte keine übertriebene Lust, die Nacht auf dem Bordstein zu verbringen.Dharamsala erreichten wir schließlich um vier. Wir begannen den Ort im faden Licht der wenigen Laternen zu erkunden, konnten aber kein Gasthaus...

Sehnsuchtsorte: Chefchaouen

Chefchaouen war ein abgelegenes Dorf im Rifgebirge, bis die Hippies diesen Ort als einen ihrer Wallfahrtsorte auserkoren haben. Heute prägen der Tourismus und der Drogenhandel die Stadt. Chefchaouen ist einer der Hauptumschlagplätze für Haschisch. Doch bis heute lohnt es sich vor allem während der Nebensaison in den Gassen verlorenzugehen und die blaue Medina zu bestaunen.

Sehnsuchtsorte: Fès


Reisereportage: Paranoia Pushkar - Atemlos in Rajasthan

DelhiGerade hatte ich in den Bergen um Dharamsala und Manali etwas Abstand zu meinem alptraumartigen Einstand in Indien gewonnen. Doch nun musste ich wieder nach Delhi, um meine Reise nach Rajasthan fortzusetzen. Auf den letzten Kilometern Fahrt in die Stadt hinein, war mir mulmig zumute. Meine ersten Erfahrungen mit der Stadt steckten mir noch immer im Nacken und meine Laune wurde immer düsterer, je länger wir an endlosen Slums und grauen Industrieanlagen entlangfuhren. Immer wieder wähnte ich mich bereits in der Innenstadt, doch die Vorstädte und Industrieregionen sind von riesigem Ausmaß. Schließlich angekommen, ließ ich mich auf einer Fahrradrikscha nach Paharganj fahren. Das Stadtviertel, das sich um die Main Bazar Road erstreckt, liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Main Bazar Road selbst ist eine kilometerlange Einkaufsstraße, in der man Alles findet. Direkt an der Straße und in zahllosen Nebenstraßen finden sich hunderte von Hotels – viele davon heruntergekommen, dafür aber sehr billig. Der Portier meines Hotels informierte mich gleich von einem Angebot für eine überteuerte Rajasthan-Reise. Diesmal ohne mich! Ich wollte so schnell wie möglich wieder raus aus Delhi und den nächstmöglichen Zug nach Jaipur buchen. Am Bahnhof wimmelte es von zwielichtigen Gestalten. Ihre Dreistigkeit machte mich sprachlos. Der erste wollte mich davon überzeugen, Touristen müssten sich vor einer Bahnfahrt am Conaught Place registrieren und könnten auch nur dort Tickets erstehen. Da hätte ich dann gleich noch eine Reise auf das Hausboot in Kaschmir mit meinen geliebten Freunden buchen können. Doch er versicherte mir, er handle aus reiner Menschenliebe und hatte die benötigten Formulare zur Hand. Kaum hatte ich ihn abgeschüttelt, tauchte der Nächste „Helfer“ auf, der mir weismachte, man dürfe den Bahnhof nicht ohne gültiges Ticket betreten. Als ich auch ihm nicht auf den Leim gegangen war, wollte mir ein anderer Mann einreden, dass das Tourist Office...