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Magazin über Migranten, Immigranten und Migration - migmag
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migmag ist ein unabhängiges Online-Magazin der kulturellen Vielfalt. migmag bietet Geschichten über Minderheiten und den Umgang mit Menschen fremder Herkunft, erklärt Zusammenhänge zu Migration und Integration und gibt durch Analysen, Meinungsbeiträge und literarische Texte Denkanstöße in vielfältiger, auch kontroverser Weise. migmag möchte Migranten aus verschiedenen Generationen auch die Möglichkeit geben, selbst durch Beiträge an Inhalten und Erscheinungsformen von migmag mitzuarbeiten.
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Identitätsfragen ...

von Tanja A. WilkenDer Mensch ist des Menschen Wolf konstatierte Thomas Hobbes 1642. Wir rotten uns zusammen, um zu jagen, Territorien zu besetzen, zu stehlen und zu betrügen. Alles für die Arterhaltung. Sprache, Ethnie, Religion bilden die Grundlage für Gemeinsamkeiten, die vor allem zur Unterscheidung dienen: Kultur als identitätsstiftender Kitt, der in der Gruppe dafür Sorge trägt, dass die Feinde und Futterneider da draußen“ gesucht werden: Kulturelle Identität gleich kollektiveIdentität.Aus den Grüppchen von einst wuchsen Nationen mit unterschiedlichen kulturellen Nennern heran: Franzosen, Holländer, Griechen, Deutsche. Bis die elende Globalisierung sich anschickte, die lieb gewonnenen nationalen Grenzen zugunsten des Wettbewerbs und der ökonomischen Machtspiele aufzuweichen. Nicht ohne Folgen für die nationale Identifikation des Bürgers mit seinem Land, seiner Herkunft, seiner Kultur. Heute erwartet man von Franzosen und Deutschen, sich bitte nicht mehr nur französisch“ oder deutsch“ zu fühlen, sondern europäisch“. Die teure und stolze Nationalidentität soll sozusagen von einer „Meta-Identität“ absorbiert werden. Das klingt für viele ziemlich schrecklich. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier und das Konzept „europäisches Kollektiv“ ist noch nicht in allen Köpfen und Herzen angekommen. Was soll das überhaupt heißen, „europäisch“? Durch die Aufnahme sämtlicher Hinz-und-Kunz-Staaten in die Europäische Union ist doch dieses Europa kein geschützter Begriff! Wer gehört da dann alles dazu?“, fragt sich der verzagte Bürger. Womöglich bin ich dann zum Teil auch Türke?! Nein, danke!“ Nein, sich als rein Deutscher oder Franzose oder Spanier oder Grieche (dieser Tage vielleicht lieber gerade nicht) zu fühlen reicht den meisten völlig. In die Kerbe nationale Identität“ – vor allem die Bewahrung derselben – schlagen wahlkampftaktisch mit schöner Regelmäßigkeit die Le Pens, Wilders´ und dazuzurechnenden Konsorten. Sie alle suchen nach jenem Störfaktor, der verhindert, warum man nicht in Ruhe in seiner nationalen Suppe vor sich hin köcheln kann. Wer einem ständig die Identität klauen will. Zum einen sind da...

Glatzen-Per auf dem Dorfe...

Von Tanja A. WilkenRote oder weiße Schnürsenkel. Mehr brauchte es nicht. Zeig mir deine Doc Martens und ich weiß, ob ich einen Gleichgesinnten oder einen Feind vor mir habe. Mit vierzehn, fünfzehn konnte das Leben in mancherlei Hinsicht noch recht einfach sein. Politische Neigung, rechte oder linke Gesinnung, schlicht demonstriert werden.Warum sich wer für welche Haltung entschied? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Tatsächliche Vernunftgründe waren es wohl kaum. Für mich persönlich war es wohl eine Art „mentaler Querulanz“, die sich bei Hasstiraden gegen Andere automatisch einstellte. Warum sollte bei der Vielfalt an Kulturen und Religionen, bei der Vielzahl an Lebensentwürfen, Hautfarben und Ideen, ausgerechnet die eigene Art und Weise die allein Richtige sein? Wer, bitte schön, kann sich aussuchen, in welchem Land er geboren werden will? Wer kann seine Herkunft bestimmen? Klare Antwort: Niemand. Also, wie lässt sich aus dieser simplen und doch bestechenden Tatsache der Anspruch formulieren, etwas Besseres aufgrund seiner Wurzeln zu sein? Und wie leitet man im Umkehrschluss daraus ab, dass jeder, der nicht diesem, unserem Zugriff entzogenen Umstand entspricht, minderwertig ist? Die Logik, nach der der weiße, latent – aber nicht übermäßig nachdrücklich! – religiöse, heterosexuelle, Schnaps und Bier in Maßen – aber nicht andere Drogen! – konsumierende Deutsche das Maß der Menschheit sein sollte, wollte und konnte sich mir schlicht nicht erschließen. Im Ostfriesland meiner Kindheit und Jugend gab es weder „Kinderfänger“, die auf dem Schulhof CDs mit rechtspopulistischer Rockmusik verteilten, noch Türkenbanden oder Zusammenrottungen anderer „fremder“ Gruppierungen, die einen mit dem Messer bedrohten. Die, die im Klassenraum die braven Kinder vom Lernen abhielten, entstammten überwiegend dem eigenen Kulturkreis. Angst, den gemeinsamen Bus für den morgendlichen Schulweg zu benutzen, hatte ich wegen dem bösenMigranten keine. Es gab aber genug Mitschüler, die das anders empfanden. Ob aus tatsächlichen Konfrontationen oder jenen Klischeebildern, die am heimatlichen Abendbrottisch gepflegt...

Geschichte und Deutschland: Viel gelernt...?

von Tanja A. WilkenIch erinnere mich noch gut an lebhafte, politische Diskussionen im heimischen Familienverbund. Unweigerlich kam es auf Geburtstagsfeiern oder Weihnachtsfesten früher oder später auf „den Ausländer“ zu sprechen. Und damit zwangsläufig zum Krach. In meiner jugendlichen Naivität wehrte ich mich nämlich gegen Pauschalurteile und Aussagen, bei denen sich mir die Nackenhaare aufstellten. So war denn eine Meinung zum Thema Geschichte und Deutschland die, dass der österreichische Allmachtsfanatiker, obwohl er zwar mit dem ganzen Nationalsozialismus „übers Ziel hinausgeschossen war“, doch wenigstens so freundlich gewesen sei, dem deutschen Volk die Autobahn zu schenken. Und was „die Juden“ betrifft: Die wollte ja niemand nach dem Krieg bei sich haben. „Das hat man ja am Ende von Schindlers Liste gesehen!“ Meine emotionalen Ausbrüche wiederum ernteten kollektives Kopfschütteln: „Was regt sie sich denn so auf?“Ja, was regte mich denn so auf? Die Geschichtsvergessenheit, die zuerst einmal keine Vergessenheit per se ist, weil man sich dazu überhaupt einmal hätte beschäftigen müssen? Die Tatsache, dass hier Menschen über andere urteilten, die sie kaum je aus nächster Nähe betrachtet hatten? Deren Kenntnisse über kulturelle wie religiöse Gepflogenheiten Anderer sich aus den handelsüblichen Vorurteilen und Klischeebildern zusammensetzten? Was mich nachhaltig beschäftigte, war, dass es bei den Gesprächen um alle Andersdenkende am Rande der kleinbürgerlichen Peripherie ging. Und das in diesen Gedanken vor allem eins nistete: latenter Rassismus und Antisemitismus. Diese Ressentiments schlummerten in einer Generation, die in den 70ern adoleszent geworden war, in einer Zeit, in der es schien, dass es nur zwei Möglichkeiten zur Verarbeitung mit den Verbrechen der Eltern- und Großelterngeneration gibt: konsequentes Verdrängen oder sich der Linksradikalen anschließen. Das ist natürlich sehr zugespitzt formuliert. Aber angesichts des Verdachts, den eine meiner Verwandten damals äußerte, nämlich, dass den Schülern heutzutage ja nur Schuldgefühle eingebläut werden, liegt es nahe, welcher Bewältigungsstrategie der Vorzug eingeräumt wurde.Ist es...

Das Ende eines Jahrzehnts...

von Tanja A. WilkenJedes Jahrzehnt hat seine Geburtsstunde. Eine die nicht zur Silvesternacht mit dem Zwölfuhrschlag, mit Küssen, guten Wünschen und Umarmungen beginnt. Diese „Geburtsstunden“ tauchen in Chroniken auf, in Geschichtsbüchern. Sie markieren Wendepunkte, die das Leben Tausender, manchmal das von Millionen betreffen und nachhaltig verändern. Sie prägen das soziale Gefüge und liefern den Hintergrund für politische Entscheidungen. Und sie stellen uns auf eine Probe, von der oft erst die nachfolgenden Generationen beurteilen können, ob und wie wir sie bestanden haben. Der Knall, der das letzte Jahrzehnt einläutete, erfolgte am 11.09.2001, als um 8:46 Uhr ein Passagierflugzeug in den nördlichen Turm des World Trade Centers raste.Der Betäubung folgten die Wut und der Wunsch danach, den Verantwortlichen habhaft zu werden. Auf das naturgegebene Recht auf Selbstverteidigung folgte die Hysterie. Die Vernunft erlag den Emotionen. Nicht nur den USA wurde ein empfindlicher Schlag verpasst. Nachdem sich al-Qaida offiziell zu den Anschlägen bekannte, nachdem Osama bin Laden offen die Kriegserklärung aussprach, nachdem klar wurde, dass die Menschen, welche die Flugzeuge entführt und gesteuert hatten, jahrelang unentdeckt in Europa gelebt und hinter einer bürgerlich-westlichen Fassade ihre Befehle zum großen Schlag erwartet hatten, musste sich jeder Staat der demokratischen Welt darauf gefasst machen, der nächste im Fadenkreuz zu sein. Diese Situation veränderte unsere Sicht auf die Welt und sie drängte Fragen auf, die wir uns vorher tunlichst nicht gestellt hatten: Darf man vollbesetzte Passagierflugzeuge abschießen? Sind das Sammeln und unbefristete Speichern von Kontodaten, Internetsuchverläufen, Handyortungen eine Sache der nationalen Sicherheit? Ist Folter zulässig? Wenn ja, in welchem Maße, bevor es unangenehm für den Folternden wird? Soll die Bundeswehr im Innern eingesetzt werden dürfen? Darf man auf bloßen Verdacht „potenzielle Terroristen“ in Verwahrung nehmen? Ohne Anklage? Ohne Rechtsbeistand? Darf man als demokratische Gesellschaft Menschen bewusst Allgemeine Bürgerrechte absprechen, ja, allgemein anerkannte Menschenrechte? Die Veränderung, die sich...

Historische Zeiten...

von Tanja A. WilkenSechs Monate sind vergangen zwischen dem „Tag des Zorns“, dem Aufruf der Regimegegner gegen Muammar al-Gaddafi, und der Einnahme der Herrscherresidenz in Tripolis. Die Menschen in Libyen feiern. Sie tanzen auf den Straßen. Maschinengewehrsalven erleuchten die Nächte, nicht als sichtbare Zeichen der Grabenkämpfe zwischen Getreuen und Aufständischen, sondern zur Illuminierung des Triumphs. Auf Plakaten und Jeeps prangt die Botschaft „Thanx NATO“. Die westlichen Kräfte, allen voran Frankreich, mauserten sich vom zögerlichen Zaungast zu Unterstützern einer historischen Bewegung: Der Ausbruch der lauten Empörung in den Ländern Nordafrikas. Tunesien und Ägypten entledigten sich bereits ihrer Diktatoren, al-Gaddafi ist noch auf der Flucht. Aber „frei“ ist er nicht mehr. Die Reihen seiner Freunde lichteten sich, nachdem sich sogar die Arabische Liga im Februar dazu entschloss, ihn zur „persona non grata“ zu erklären; zu einem Zeitpunkt, an dem sich die EU noch mit einer härteren Gangart schwer tat. Mit der Erstürmung von Tripolis ist der Spuk noch nicht vorbei. Und die, die bereits jetzt hämisch schmunzelnd verlautbaren lassen, dass mit dem vorläufigen Ende des Bürgerkriegs nichts gewonnen ist, haben recht: Man errichtet nicht über Nacht blühende Demokratien. Bei aller Sorge und Nachdenklichkeit, bei aller Vorsicht und Skepsis, sollten wir es uns nicht entgehen lassen, an diesem Prozess teilzuhaben. Das libysche Volk, sofern das von diesem selbst gewünscht wird, zu unterstützen, ist für unsere eigene Positionierung und Sicherheit ein ebenso wichtiger Schritt, wie die Verabschiedung der Resolution 1973. Was nun folgen muss, die politische und wirtschaftliche Stabilisierung Libyens, ist ein langer Weg. Und einer, den es sich zu gehen lohnt. Besonders Deutschland sollte ein besonderes Interesse daran haben, das durch seine unterlassene Hilfeleistung verlorene Vertrauen bei seinen Bündnispartnern wiederzugewinnen. Die Freigabe der Gaddafi-Milliarden, geerntet durch die jahrzehntelange Ausbeutung des Landes sowie die Anerkennung der Übergangsregierung als offiziellen Ansprechpartner sind erste Schritte. Das...

Feind im Innern...

von Tanja A. WilkenSeit dem 22. Juli heißt es Umdenken. An diesem Tag erreichte der Terror Norwegen: zuerst detonierte im Osloer Regierungsviertel eine Bombe. Während verletzte Menschen noch durch die vom Trümmerstaub vernebelten Straßen liefen und Polizei und Feuerwehr mit Hundertschaften vor Ort – und abgelenkt – waren, begann auf der Insel Utøya ein Blutbad. Anders Behring Breivik, 32 Jahre jung, bewaffnet mit einem Halbautomatikgewehr, welches er mit Teilmantelgeschossen geladen hatte, machte Jagd auf die jugendlichen Teilnehmer eines sozialdemokratischen Zeltlagers. Während die ersten Schlagzeilen über den Bildschirm liefen und bevor der Täter identifiziert war, hatten sowohl die ersten Terrorismusexperten wie auch die ersten Blogger und selbsternannten Verteidiger Europas auf den einschlägigen Sites die Quelle des Angriffs ausgemacht. Und auch viele von uns Toleranzbefürwortern dachten, dass der Terror von radikalislamischer Seite auf die Norweger einschlug. Beschämend? Nachvollziehbar? Durch die Terrorakte in Norwegen wurde einmal mehr unser Reflex deutlich, die Feinde unserer Gesellschaft zuerst im muslimischen Lager zu suchen. Wir alle waren wohl überrascht und zugegeben, vielleicht sogar ein wenig erleichtert, als klar wurde, dass der Täter Norweger ist. Ein Mann aus dem Westen. Und dennoch keiner „von uns“. Breivik, das zeigte er eindeutig durch seine Tat, sieht sich nicht als Europäer, nicht als Freund einer offenen Gesellschaft, vermutlich nicht einmal als Demokrat. Ist Breivik die Personifikation des „neuen Feindes“ im Innern? Ist er die logische Konsequenz, die Weiterführung der Hasstiraden und der Aufwiegelung von rechtspopulistischen Parteien wie auch den anonymen Internetforen, die sich über die „Unterwanderung Europas durch den Muselmann“ auslassen und sich zusammen in ihrem ideologischen Sumpf suhlen? Ist er der, der nur den nächsten Schritt wagte, vom Wort zur Tat? Breivik war ein Einzelgänger. Er hatte keine Familie, zu der er großen Kontakt pflegte. Zuletzt lebte er allein auf einem Bauernhof. Einige Jahre war er Mitglied der norwegischen Freiheitspartei,...