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Lyrische Prosa
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Verloren

Ich war verloren.Ganz allein in diesem finsteren Loch. Keiner in meiner Nähe, der mir irgendwie helfen würde und meilenweit von jeder Zivilisation entfernt.Es war ja meine eigene Schuld gewesen, daß ich nun hier saß und nicht wieder herauskam. War es das wirklich?Man hatte meine Seele hungern lassen und ich war geschlagen worden. Man hatte mich wüst beschimpft und einen Taugenichts gescholten. Ich sei nichts wert und würde nie etwas zustande bringen, hatte man gesagt.Talent hat er wohl - aber er versaut sich alles selbst durch diese ungezügelte Rebellion und sein unangepasstes Verhalten! Geh mir aus den Augen und sei endlich mal zu etwas nütze, hatte man geschrien.Also ging ich. Und nach einer Weile begann ich zu laufen und im Laufen zu weinen. Ich wollte nie mehr nach Haus zurück! Düstere schwarze Wolken umhüllten mich und ließen sich auf meiner Schulter nieder.Dann kam der tiefe Fall. Ich holperte und stolperte in dieses tiefe Loch im Wald hinein. Hängende Baumwurzeln sausten an mir vorüber und ich wusste: "Jetzt bist Du verloren!" Der dunkle Nachthimmel war nur noch als kleiner tiefgrauer Fleck viele Meter über mir zu erkennen als ich mich umblickte - am Boden angelangt. Ich lebte noch, war aber tief im Morast eingesunken, welcher meinen Fall gebremst hatte. Mir war kalt und nach einer Weile fing ich an zu zittern und mit den Zähnen zu klappern."Halloooo", rief ich laut. ""Kann mich da draußen jemand hören?" - Tiefes Schweigen. Als hätte sogar der Wald, die Tiere und die ganze Menschheit sich von mir abgewendet. Ich weinte hemmungslos und immer heftiger je mehr ich meines zutiefst hilflosen und hoffnungslosen Zustands gewahr wurde. "So sieht dann wohl das Ende aus", dachte ich mir. "Hier findet dich keiner mehr. Du wirst nun elend verrecken und niemand wird dich vermissen. Du warst doch sowieso schon immer...

Der kostbare Moment

Plötzlich war er da - dieser Moment.Ich stand da und wurde ergriffen. Ich konnte nicht sagen warum, aber du hattest mich einfach tief berührt. Tief drinnen.Und mir kamen die Tränen - ich fühlte mich ertappt, durchschaut, gesehen und erkannt. Gibt es denn so etwas?Zwei Seelen die sich so nahe sind?Ich hatte das Gefühl über alles mit dir reden zu können - über Dinge die ich sonst verschweige, die ich niemand sonst erzählen würde...Aber dir könnte ich sie sagen.Und nun bin ich getrennt von dir - nur wenige Kilometer, die mir aber unüberwindlich erscheinen, eine tiefe Kluft. Es herrscht Schweigen zwischen uns - was ist nur geschehen?Alles was ich dir schreibe erscheint mir falsch und... seltsam verdreht.Habe ich deine Seele verletzt, war dumm und unachtsam?Habe ich auf deinen empfindlichen Gefühlen herumgetrampelt - etwas Wichtiges komplett übersehen?Wir sind auseinander, getrennt, geschieden - und waren doch noch nicht einmal richtig zusammen, haben uns kaum kennengelernt. Nur dieser eine, tiefe Moment bleibt.Und ich denke jeden Tag an Dich.Ich wollte dir noch so viel sagen.

Zwischenwelt

Durch schwerer Sonne leichten Regen dunkler Wolken schwarzes Gebräuschweben wir dem Regenbogen entgegenzu himmlischen Gefilden satter, triefender PrachtAlles wird gut scheint eine Stimme bedeutungsvoll zu sagenAlles fügt sich zusammen, wie ich's vorher erdacht

Vorgeschichte eines Fantasy-Romans

Gelangweilt kaute der 12jährige Junge auf seinem Bleistift. Seine Augen waren in eine imaginäre Ferne gerichtet, deren Richtung nur zufällig der Richtung der großen Schiefertafel entsprach.Kratzend malte der Lehrer Jahreszahlen an die Tafel und sprach seinen Monolog mit näselnder Stimme: 1075 Sachsenkrieg, 1077 Bußgang nach Canossa, 1084 Heinrich IV. wird in Rom als Kaiser gekrönt…Die Tafel mit den Jahreszahlen verschwamm vor Ralfs Augen, während die monotone Stimme des Lehrers in weite Ferne rückte und einschläfernd vor sich hin leierte. „Wenn doch nur jemand käme und mich mitnähme“, seufzte der Junge still in sich hinein. Er träumte sich auf eine einsame Insel im großen Ozean.Die Gesellschaft von Menschen würde ihm dort nicht fehlen. Er würde wie Robinson in einer gemütlichen Höhle wohnen und tagsüber am weißen Strand liegen und faulenzen. Ab und zu hinein in die schäumende Brandung zum Abkühlen und eine Weile schwimmen und tauchen. Ein Delphin wäre sein Freund, der ihn jeden Tag besuchen würde und ihm Fische vorbeibrächte, die er dann über dem Lagefeuer braten würde. Der Strand wäre voller Kokospalmen, an denen er empor klettern würde, um sich leckere Kokosnüsse zu holen und ab und zu würde er die Insel durchwandern und erforschen. So wie Robinson hätte er eine Ziege, die ihm Milch gäbe und wäre gut Freund mit allen Tieren auf der Insel.Menschen würde er nicht vermissen, nein überhaupt nicht. Die beachteten den pickeligen, schüchternen Jungen ja sowieso nicht. Die Mädchen seiner Klasse gaben ihm den Spottnamen „Furzmann“, indem sie seinen Nachnamen verballhornten und riefen: „Hau ab, Du stinkst“, falls er sich zu sehr in ihrer Nähe aufhielt. Seine Eltern waren dauernd am streiten ...

Joint am Abend

Sie lagen auf einer Matte im Sand und rauchten einen Joint. Über ihnen neigte sich der Strandhafer sanft im Abendwind.Es war ein warmer Sommerabend am Meer und der Sand strahlte immer noch eine leichte wohlige Wärme ab. Der hagere lange Typ mit der blonden Mähne, welche ihm bis weit über die Schultern fiel lauschte auf das Geräusch der Brandung welches in der Stille scheinbar kilometerweit zu hören war, während ein paar einsame Möwen ab und zu dazwischen kreischten.Seine kleine mollige Freundin kicherte im Rausch vor sich hin und machte lustige Gesichter und Grimassen hinter dem Rücken des Blonden. Alles war still und friedlich und die beiden waren fast allein am Strand. Nur weit entfernt bewegten sich ein paar dunkele Silhouetten, welche gemächlich am Wasser entlang spazierten.Der hagere Typ stand langsam auf, krempelte seine Jeans bis zum Knie hoch und ging barfuss ins Wasser. Er spürte wie ihm die Brandung mit jeder Welle den Sand unter den Füßen wegzog und seine Füße immer tiefer einsanken.Still und unverwandt blickte er in die Farben des Sonnenuntergangs, welcher die Wolken rot, blau, grün und gelb färbte. Ein Rausch von ineinander fließenden Farben.Gott muss ein großer Künstler sein, dachte er bei sich, während er das Spiel der Farben am Horizont betrachtete.Solche Farben – solcher Ausdruck, solch eine mystische Stimmung. Selbst Salvador Dalis oder Casper David Friedrichs auf Leinwand gemalte Himmel konnten auch nicht im Entferntesten an dieses imposante, lebendige Kunstwerk heranreichen, das Gott in diesem Moment mit schneller Hand an den Himmel zeichnete. Ein einsamer Stern glänzte schon auf in dem immer dunkler werdenden Himmel. Er schloss die Augen und achtete still auf die kleinen millionenfachen Geräusche des Wassers, wenn sich die Wellen am Strand brachen.Es war als ob das Universum zu ihm reden würde – flüsternd, vielfältig und glucksend. Er war still und genoss...

Der Radius wird kleiner

Der Radius wird immer kleiner und die Demenz schreitet rasch fort.Ich habe Angst vor der nassen Treppe im Bahnhof und fühle mich hoffnungslos verloren im Nahschnellverkehrszug.Landschaft und Gesichter gleiten vorbei und ich möchte aufstehen und schreien:Leute, das hier ist kein Zug und keine Straßenbahn! Das ist eine Irrenanstalt und ich bin Euer Arzt!Ich habe hier zwei Kapseln in meinen Händen - eine rote und eine blaue. Wer von mir die Rote nimmt wacht auf in die Realität und begreift daß er nur Patient ist. Patient in einem Irrenhaus.Wer aber die Blaue nimmt schläft einfach weiter im rasenden Zug.Die Realität bietet eine theoretische Chance auf Heilung - auch wenn die Flure der Anstalt trist und kahl sind.Der Schlaf bietet keine Erleichterung, denn die Welt dreht und dreht sich immer schneller voran - und das Vertraute schwindet mehr und mehr dahin wie ein dünner Rauch im Wind. Chaos zieht am Horizont herauf, die Ordnung ist nur noch das Recht des Stärkeren.Irgendwo im Dreck überleben ein paar wenige Menschen. Echte Menschen. Der Rest treibt seelenlos dahin - in den schmutzigen Fluten des bedenkenlosen Konsums und der Zeit....