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Taxi Hofer | Ein Blog. Aus Liebe zu den Geschichten, die das Leben schreibt.  
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Mein Name ist Rade

Den besten Fisch in town gibt es bei Globus. Am Dienstag ist er immer frisch, der Lachs, hat mir Rade verraten. Rade ist aus Tschetschenien und steht hinter den eisigen Tresen. Jeden Tag. Ich bewundere ihn. Wie ich alle Menschen bewundere, die sich ein Leben in einem fremden Land aufbauen. Das braucht viel Fett. Und rosa ist es bestimmt auch nicht. Rade hat kantige Gesichtszüge. Fast wie James Bond. Kürzlich hat er mir das Du angeboten, und mir dabei kräftig die Hand gedrückt, über dem Tresen. Alle erdenklichen Eselsbrücken habe ich gebaut, um mir seinen Namen zu merken. Eine Frage des Respekts. Einen Lachs später reicht mir Rade wieder die Hand. Hallo Rade, sage ich. Seine eisblauen Augen schauen mich durchdringend an. Es ehrt mich, dass du meinen Namen kennst, sagt er. Und er schäme sich, dass er meinen Namen vergessen habe. Ich winke ab. Wir reden über den heissen Sommer und über seine Tochter, die im September auf die Welt gekommen ist. Ich verstaue den Lachs im Kofferraum. Das schönste Stück hat mir Rade ausgesucht. Sein Globus. Unser aller Globus. Mit mehr oder weniger Glück. Verdammt. Ich gebe Gas. Image: www.GlynLowe.com

Seegurken

Das Meer in Korsika ist glasklar. Fast karibisch, sagte Ave verzückt. Wir sollten uns vor den Quallen in Acht nehmen, hatte uns der garçon am ersten Abend nachgerufen. Er hätte uns gleich vergiften sollen, denn von den meduses war weit und breit nichts zu sehen. Ave zog mit dem Schnorchel los, um nach Seegurken zu tauchen. Ich lag auf der chaise longue und versuchte mir ein Bild von den Seegurken zu machen. Ich musste plötzlich an den Müller denken und an eine Geschichte, die er mir kürzlich erzählte. Es war beim Tauchen in Ägypten, wunderschön sei das Korallenriff gewesen, da habe er eine Nemo-Familie entdeckt, die zwischen den Seeanemonen zuckte, grell leuchtend wie Gleisarbeiter, das sei ein Foto wert gewesen. Also habe er die Unterwasserkamera gezückt, nur ein Bild habe er machen wollen, als Papa Nemo auf ihn zugeschossen kam und ihn ins Visier nahm, alles cool, es ist nur ein Foto, doch Papa Nemo wollte nicht schwadronieren und griff an, frontal, das Glas der Taucherbrille, plopp, plopp, auf Augenhöhe mit dem Müller, der seinerseits als Papa Nemo gegen einen über 50 Meter grossen Riesen hätte antreten müssen. Sogleich aus dem Staub gemacht habe er sich, erzählte der Müller, so sehr sei er beeindruckt gewesen vom Schutzmanöver, das sich die Natur ausgedacht habe. Ich streckte die Beine und spürte ein warmes Gefühl im Bauch. Weit draussen sah ich Ave beim Seegurken zählen. ...

Kugelsicher

Wir hatten von einem abenteuerlichen Zug gehört, der die Städtchen Calvi und L'Île-Rousse miteinander verbindet und an den schönsten Badestränden der Insel hält. Im Office de Tourisme konnte oder wollte man uns nicht weiterhelfen. Der Zug sei in erster Linie ein moyen de transport, und alle Strände seien magnifiques. Zum Glück hat Ave eine Nase für Strände. Dass von der nostalgischen Bimmelbahn ein ganz besonderer Reiz ausgeht, durften wir bereits im kleinen verstaubten Bahnhof à la Wilden Westen erfahren. Tatsächlich wurden wir am Bahnschalter fast erschossen, als wir ein billet lösen wollten. Hier hat niemand auf Kundschaft gewartet. Ave ergatterte uns einen Platz, während sich der Zug in Bewegung setzte und stöhnte wie ein 40-Tönner. Einmal in Fahrt, rüttelte und schüttelte er, vorbei an wilden und intimen Landschaften, das Meer immer im Blickfeld. Kleiner Zwischenfall am gare. Eine Frau wäre beinahe auf der falschen Zugseite ausgestiegen, nichts als Staub auf beiden Seiten, man konnte es ihr nicht verübeln, dachten wir. Die Conducteuse dachte anders und hätte ihr am liebsten eine Kugel durch den Kopf gejagt, lebensmüde wie sie sei. Ein echtes Schmauchspurvergnügen, das Bähnchen, sagte Ave. Wieder ein Stop. Ave sprang instinktiv auf und streckte die Nase aus der Türe. Quelle station, rief sie der Conducteuse zu. Plage de l'Arinella. Volltreffer. Der Sand war weiss, das Meer glasklar und der Liegestuhl weich. Magnifique. ...

Ladies Cut

Wer mit Ave Angus unterwegs ist, hat immer etwas zwischen den Rippen. Das Entrecôte. Ein globales Prinzip, könnte man meinen. Stimmt nicht ganz, stellen Ave und ich fest. Entrecôte ist in Korsika auf fast allen Speisekarten zu finden. In allen möglichen und unmöglichen Variationen. Ratlos steht Ave vor dem Menu. Die können mir doch kein Steak mit Roquefortsauce servieren, sagt Ave. Wir flanieren weiter, auf der Suche nach dem perfekten Stück Fleisch. Endlich, Entrecôte nature. 180 Gramm. Ave schaut mich entsetzt an. Mit einem Ladies Cut muss man mir nicht kommen, sagt sie. Ich habe keine Ahnung, wovon sie spricht. Ave spreizt Daumen und Zeigfinger zu einem Guckloch. So klein ist das Stück, erklärt sie. Inklusive Fettrand. So klein. Ich nicke. Endlich finden wir ein Restaurant. Das Grillfleisch sei ausgegangen, sagt der Kellner. Fisch oder in Wein gegartes Rindfleisch gäbe es noch. Wieder ein entsetzter Blick von Ave. Wir bestellen Lasagne à la mode corse. Und den Wein dann doch lieber separat. Ave ist zufrieden. Nur die Zucchetti hätten in einer Lasagne nichts verloren. Wir reden über Gott und die Welt. Und spüren, dass uns nichts trennen kann. Nicht einmal ein Ladies Cut. Image: Philippe Agnifili

Le Pirate

Wenn man keine Klimaanlage hat, ist es fürs Taxifahren zu heiss. Bourré pour bourré haben Ave und ich uns gesagt, und sind nach Korsika geflogen, wo es noch ein bisschen heisser ist. Auf der französichen Mittelmeerinsel gibt es mehr Mietwagen als Taxis, fromage corse und confiture de figues und saucisson sec. Mindestens eine Viertelstunde lang hat sich Ave im marché durch die lokale Charcuterie probiert, mit einer Ernsthaftigkeit, als ginge es um eine Mission zum Mars. Ave und ich mögen die französische Kultur. Die Franzosen sind nicht nett, zumindest nicht à première vue. Wir hätten bis fin octobre Zeit, uns für ein Menu zu entscheiden, sagte der garçon gestern bei der Bestellung, danach sei das Restaurant geschlossen, heureusement. Wir nahmen's gelassen, quoi d'autre bei der Hitze. Auf zu Runde zwei. Ave hatte nur die Zwiebelringe ihres Salats gegessen, was dem Kellner gar nicht gefiel. Geschäftig tippte er in sein Gerät, eine Kippe im Mundwinkel. Müssen Sie diesen Fauxpas notieren? fragte Ave. Die cigarette in seinem Mundwinkel bewegte sich keinen Millimeter. Saucooler Hund. Fehlt nur noch die Augenbinde. Man muss ihn einfach mögen. Bienvenue en Corse. Image: keyboardsamurai

Bernsteingelb das Bier

Der Biergarten am Wiener Platz ist voller Menschen. Ein Kaleidoskop. Viereinhalb Familien haben zwei Tische zusammengeschoben. Sie wohnen im gleichen Block. Kastanienbäume statt Beton. Drei graue Vermesser hinter dem Mass. Eine einsam aussehende Frau, die schnell mit rosa Tinte schreibt. Vielleicht die Liebesgeschichte der beiden Geschäftsleute. Er hat nur Augen für ihr blattgrünes Kleid. Ihr Fuss wippt unter der Bank. Nach zwei Bier geht sie ab, sagt der Müller. Später kommen die Diskussionen. Spitz wie Glassplitter. Warum nicht wieder im Biergarten. Vielleicht auch friedlich. Tischdecke, Brotzeit und Lachfalten. Farbenvielfalt im Kaleidoskop. Bernsteingelb das Bier. Image: Taxi Hofer