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Das dritte Zeitalter
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Sonntag 06.11.16 - Teil 3

Endlich startete der Wagen. Ich trat das Gaspedal durch. Der Golf machte einen Satz nach vorn als freute er sich die Zombies abzuschütteln und jagte die Straße in Richtung Innenstadt hinunter. Blitzschnell überschlug ich unsere Möglichkeiten. Durch den Herrengarten zu fahren wäre sicherlich die kürzeste Strecke gewesen, doch es gab dort auch viele Hindernisse und auszusteigen, um ein Tor zu öffnen, war riskant. So steuerte ich kurz vor dem Tor zum Herrengarten nach links, brach durch den Schlagbaum der Universitäts-Tiefgarage und hielt mich rechts um zwischen dem Konferenzhotel der TU und dem Haus der Geschichte durchzufahren.Unser Weg führte uns die Bleichstraße hinunter, am Schloss und am neuen Gerichtsgebäude vorbei. Zwischendurch blitzte es in grellem Rot, als wir einen der zahllosen innerstädtischen Blitzer auslösten. „Musst du immer so rasen“, nörgelte Paul vom Rücksitz. „Du wirst noch deinen Führerschein verlieren.“ Keine Ahnung woher er in dieser Situation seinen Humor nahm. Wir lachten etwas gezwungen, doch es half uns mit der Situation umzugehen. Es war nicht mehr weit bis zum Hauptbahnhof. Die Straßen lagen verlassen und Verkehrsregeln scherten uns nicht. Trotzdem drossle ich das Tempo. Es gab keinen Grund ein unnötiges Risiko einzugehen. Ich bog in südlicher Richtung in die Kasinostraße und am Kennedyplatz in westlicher Richtung auf die Rheinstraße. Sekunden später stieg ich in die Eisen. Untote Menschen, Zombies, so weit das Auge reichte. „Verdammt“, fluchte ich. „Das darf doch nicht wahr sein“, stöhnte Alex. Zu allem Überfluss schreckte das Quietschen der Reifen eine kleine Gruppe Zombies auf, die sich sofort auf uns zu bewegten. „Wir sind sehr beliebt!“ Ich rammte den Schalthebel in den Rückwärtsgang und holte alles aus dem Wagen heraus, was drin war. Auf der Höhe der Kreuzung riss ich das Steuer herum. Ich war gerade dabei den ersten Gang einzulegen als mein Gehirn etwas registrierte. Es war...

Sonntag 06.11.16 - Teil 2

Aus der Mauerstraße wankte eine seltsam gekrümmte Gestalt um die Ecke, keine zehn Meter von uns entfernt. Sie humpelte und zog das rechte Bein nach. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich den Grund, eine klaffende ekelerregende Wunde am vorderen Oberschenkel. Aus meiner Zeit als Zivildienstleistender beim Rettungsdienst wusste ich, dass solche Wunden – aufgrund des großen Blutverlustes – innerhalb einer Stunde zum Tod führen konnten. Die Gestalt schien sich daran nicht zu stören. Mit hängendem Kopf und geisterhaftem Grinsen schaute sie sich um.Ich erstarrte, hielt den Atem an. Es handelte sich um einen älteren Mann, vielleicht Mitte fünfzig. Er trug einen fleckigen, zerrissenen Nadelstreifenanzug mit weißem Hemd und dezenter dunkelblauer Krawatte. Die ergrauten Haare hingen ihm wirr über die Stirn und verdecken sein rechtes Auge. Ehemals ein Bankangestellter, vielleicht ein Manager. Jetzt nur noch ein mordlustiger wandelnder Leichnam.Unentschlossen ließ er seinen Blick nach allen Seiten schweifen. Sekunden vergingen wie Stunden. Dann sah ich hinter mir weitere Gestalten die Straße herunterkommen. Zuerst waren es zwei, dann fünf und schon bald zehn, die aus Richtung Kopernikusplatz kamen. Einerseits wurde mir klar, dass wir uns schnellstens in Sicherheit bringen mussten, andererseits war ich vor Panik völlig gelähmt. Meine Beine glichen tonnenschweren Gewichten. Verdrängte Erinnerungsfetzen an die Geschehnisse vom Frankfurter Hauptbahnhof blitzten in schneller Folge vor meinem inneren Auge auf.Es blieb mir jedoch keine Zeit auf meine Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle einzugehen. Aus einem Nachbarhaus stürmte ein Mann zwischen mir und dem herannahenden Mob auf die Straße. In seiner Rechten hielt er eine Pistole. „Halt“, schrie er und zielte mit der Waffe auf mich. „Weg vom Wagen!" Er gestikulierte mit der Waffe. "Sofort aussteigen! Der Wagen gehört von jetzt an mir. Verschwindet.“Die bisher gemächlich herannahende Zombiemeute hinter ihm, wurde von seinem Geschrei aufgeschreckt und angelockt. Sie beschleunigten ihre Bewegungen. Er war so aufgeregt,...

Sonntag 06.11.16 - Teil 1

Das Telefon klingelte. Der Wecker zeigte 05.13 Uhr. Ich tastete nach dem Handy. Auf dem Display blinkte ein lachender Steffen beim Grillen. Ein Foto von der Feier zu seinem siebenundzwanzigsten Geburtstag. Es kam mir vor, als wären seitdem Jahrhunderte vergangen. Ich nehme den Anruf an. „Ja?“Steffens Stimme klang hart. „Sie sind da!“Ich merkte wie sich in meinem Hals ein Kloß von wahrhaft gigantischen Ausmaßen bildet. Ich konnte kaum atmen, begann am ganzen Körper zu zittern. Obwohl ich eigentlich noch gar nicht richtig wach war, schien mein Unterbewusstsein die tiefere Bedeutung seiner Worte zu erkennen. „Sie sind schon nahe der Stadtmitte. Es dauert nicht mehr lange und sie fallen über uns her. Wir werden sie so lange wie möglich zurückhalten.“ Die ruhige Sachlichkeit, mit der er sprach, erschreckte mich.„Pass auf dich auf“, setzte ich an, doch er unterbrach mich. „Sieh zu, dass du die Stadt verlässt. Denk an den Hauptbahnhof.“ Hinter seiner Stimme gellten Schreie. „Sie kommen.“ Schüsse fielen. Das Geschrei wurde lauter, chaotischer. „Bleibt hinter den Barrikaden“, hörte ich eine tiefe Stimme rufen. „Wir werden nicht weichen! Feuer frei!“ Dann war die Verbindung weg.„War das Steffen“, fragte Alex verschlafen und schmiegte sich an mich. Sie zitterte, hatte Angst, genau wie ich. „Ja“, flüsterte ich.So schnell es uns möglich ist weckte ich Paul, packten unsere Sachen und stürmten die Treppe hinunter. Während Paul und Alex die letzten Sachen im Auto verstauten, klingele ich in jeder Wohnung und gab die schlimme Nachricht weiter. Kaum jemand reagierte darauf. Schockstarre. Sie hofften in ihrer Wohnung sicher zu sein.Ich wollte gerade einsteigen, als mir ein leises, schiefes Heulen das Blut in den Adern gefrieren lies.

Samstag 05.11.16

Paul und ich hatten gestern noch lange geredet. Wir entschlossen uns, Vorbereitungen für eine eventuell notwendige Flucht zu treffen. Pläne wurden geschmiedet und wieder verworfen. Keiner von uns hatte jemals mit einer solchen oder ähnlichen Situation zu tun. Schließlich teilten wir uns auf. Paul kümmerte sich um unseren alten Golf und wartete ihn, während ich die Supermärkte nach sinnvollen Lebensmitteln und anderen Materialien durchstöberte. Das Alles erschien mir immer noch surreal. Wir leben im wahrscheinlich sichersten Land der Welt und trafen trotzdem Vorbereitungen für eine Flucht. In den letzten Jahren versuchten Millionen Menschen in unserem Land Zuflucht zu finden, nun waren wir die Flüchtlinge. Wer würde uns Schutz und Obdach bieten?Während ich in der Innenstadt unterwegs war, fiel mir auf, dass andere ebensolche Vorbereitungen trafen. Hamsterkäufe, Kämpfe um die letzte Dose Thunfisch oder Wurst. Blindwütig schafften die Menschen überlebenswichtige Waren in ihre Autos. Auf dem Weg zurück sah ich lange Schlangen an den Tankstellen. Niemand sprach darüber, doch alle haben Angst. Eine unsichtbare Hand legte sich an unsere Kehlen und konnte sich jeden Moment schließen. Mittags telefonierten wir mit Steffen. Wir brauchten endlose Versuche, da das Handynetz völlig überlastet war. Als wir ihn endlich erreichten, schaltete ich die Freisprechanlage an, damit auch Paul mithören konnte. Obwohl Steffen, wie jedem anderen Polizisten in Deutschland, Stillschweigen auferlegt wurde und man ihn dafür hätte feuern könnte, redet er mit uns über die drohende Gefahr. Seine Zusammenfassung der Dinge ließ mich schaudern.„Das Operationszentrum Hessen hat Frankfurt bereits aufgegeben. Es wird keine Anstrengung mehr unternommen das Stadtgebiet zurück zu erobern. Einsatzkräfte der Bundeswehr und die verbliebenen Polizeikräfte versuchen die letzten Überlebenden des Angriffs zu evakuieren, aber diese Bestrebungen werden sehr bald eingestellt werden. Es würde einfach zu viele Opfer kosten, um auch die letzten Menschen zu retten.“Es war also so schlimm, wie wir erwartet hatten....

Freitag 04.11.16

Als ich heute Morgen erwachte, fühlte ich mich wie gerädert. Ich hatte schlecht geschlafen, gelinde ausgedrückt. Es dauerte ewig, bis ich überhaupt Schlaf fand. In meinem Hirn jagte ein Gedanke den anderen. Wie entkamen die Zombies aus der Quarantäne? Der Sicherheitsring der Bundeswehr hatte doch so perfekt gewirkt. Wie hatten sie so lange unentdeckt bleiben können? Sie waren plötzlich überall gewesen. Waren sie durch die U-Bahntunnel gekommen? So ging es hin und her, natürlich ohne Ergebnis. Alpträume ließen mich immer wieder auffahren. Immerhin schrie ich nicht die Bude zusammen, denke ich.Die Protagonisten in Büchern und Filmen erwachten morgens immer tiefenentspannt und konnten zur Tat schreiten. Ich dagegen kämpfte mich mühsam aus dem Bett und schaltete den Kaffeeautomaten ein, der einzige wertvolle Gegenstand in unserer Wohnung. Ein Geschenk meiner Eltern, als das Arbeitspensum zur Abschlussprüfung hin zunahm. Einen Cappuccino später war ich hellwach.In Frankfurt regieren die Untoten. Ein Gedanke, der sich immer und immer wieder in meinem Hirn wiederholte. Paul und ich hatten bis spät in die Nacht fern gesehen. Es wurde zwar verbissen gekämpft und an manchen Stellen geriet der Vormarsch der Zombies ins Stocken, doch es zeichnete sich ein Sieg der Untoten ab. Klare Frontlinien gab es nicht und jedes Opfer bildete den Nachschub für die Zombies. Die Journalisten verglichen die Szenen mit denen eines Bürgerkriegs. Wer Frankfurt verlassen konnte tat dies. Schnell waren die Autobahnen und Ausfallstraßen überfüllt gewesen. Wer sich in seiner Wohnung einschloss, würde früher oder später ein Opfer der wachsenden Untotenarmee werden. Ich raffte mich auf und holte Brötchen, Croissants und Baguettes beim nahen Bäcker. Ein fast surrealer Vorgang, wenn man die aktuellen Geschehnisse bedachte. Doch der menschliche Körper benötigt Nahrung, auch in Krisenzeiten. Als ich das Geschäft betrat, bediente der Chef selbst. Seine sonst so zuverlässige Fachverkäuferin Maria fehlte und die Schlange wurde länger...

Donnerstag 03.11.16 - Teil 3

Beklommen verfolgten wir, wie der Kameramann auf den Opernplatz zuhielt. Vor ihm und zu beiden Seiten flohen Männer Frauen und Kinder. Eine junge Mutter zog ihre kleine Tochter hinter sich her, während ihr Mann ein Baby in den Armen hielt. Gemeinsam strebten alle zum Springbrunnen in der Mitte. Mir stockte der Atem, als uns plötzlich Flüchtlinge entgegen kamen. Der Kameramann stoppte überrascht. Ein Schwenk eröffnete uns das volle Ausmaß der Situation. Wir waren umzingelt. Von allen Seiten stürmten Menschen heran, gejagt von blutüberströmten Zombies, die gierig ihre Klauen streckten. "Oh Gott", hörten wir durch den schweren Atem. Offensichtlich unschlüssig was zu tun sei, folgte die Kamera auf seinen Schultern seinem hilfesuchenden Blick."Die Oper", presste Paul zwischen den Zähnen hervor. Die Anspannung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Beide fieberten wir mit dem Kameramann mit. "Verdammt, rette dich in die Oper", rief ich, wohl wissend, dass er mich nicht hören konnte. Doch offensichtlich hatte er die gleiche Idee. Mit schnellen Schritten hastete er zum Haupteingang.Es wurde verdammt eng. Die Bilder verwischten vollends, als er die Treppenstufen hinauf sprang. In einer Entfernung von höchstens einem Meter entkam er den von beiden Seiten zuströmenden Monstren. Bevor er zwischen den sich schließenden, mächtigen Türflügeln aus massivem Eichenholz und schweren Eisenbeschlägen hindurchschlüpfte, sah er sich noch einmal um.Es war eine Arena des Todes. Etwa hundert Menschen drängten sich verloren in der Mitte des Platzes, während die Zombies in Vorfreude auf ein Festmahl (falls sie überhaupt Freude empfinden konnten) den Kreis um ihre Opfer immer enger zogen.Einige wenige Menschen versuchten zu kämpfen oder wenigstens ihre Lieben zu schützen. Vergeblich!Dann wendete sich die Kamera ab, da mehrere Zombies die Stufen zum Hauptportal erklommen und der Kamera zu nahe kamen. Schnell rettete er sich ins Innere der Oper. Krachend schlossen sich die Türen und der Sender schaltete zurück ins...